Unvermeidlicher Überfall des deutschen Nationalsozialismus unter Hitler auf die Sowjetunion

Wie kam es zu dem unvermeidlichen Überfall des deutschen Nationalsozialismus unter Hitler auf die Sowjetunion?

Ein historischer Abriss. Die Geschichte der politischen Verflechtungen von 1934 bis 1941, die zu dem Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion führten.

Hitler hatte einen Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion schon 1925 in seiner Programmschrift „Mein Kampf“ zum Hauptziel seiner Außenpolitik erklärt und 

die Vernichtung des Bolschewismus zu einem ideologisch-politischen Hauptziel des Nationalsozialismus gemacht.

Er begründete dies mit dem unvermeidbaren weltgeschichtlichen Kampf der „arischen Rasse“ gegen das „Weltjudentum“, dessen extremste Herrschaftsform der „Bolschewismus“ sei.

„Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten“. Hitler legimitierte diese Perspektive mit zwei Annahmen: einer rassischen, daher auch politischen und militärischen Unterlegenheit der angeblich von den Juden  beherrschten Slawen und einer Bereitschaft Großbritanniens, Deutschlands vorherige Eroberung Frankreichs zu akzeptieren und es dann im Kampf gegen die Sowjetunion zu unterstützen.

1928 bekräftigte Hitler in einem zweiten Buch die Notwendigkeit der Eroberung von „Lebensraum im Osten“, der „für die nächsten 1000 Jahre“ ausreiche.

Das Ziel, die europäischen Teile Russlands zu erobern, sollte die gesamte deutsche Rüstungs- und Außenpolitik bestimmen,  und eine spätere Weltherrschaft der deutschen Arier zu ermöglichen.

Am 3. Februar 1933 erläuterte er sein Lebensraumkonzept den Befehlshabern der Reichswehr

1934 erwog er erstmals, zuerst Blitzkriege im Westen zu führen, um sich dann dem Osten zuwenden zu können. In zwei großen Reichstagsreden 1937 und 1938 erklärte er, er führe unerbittlich den Kampf gegen den „jüdisch-internationalen Moskauer Bolschewismus“.

1934 wird Hitler in Nürnberg stürmisch von der Bevölkerung empfangen. 

Er betrachtet sich als die Erfüllung eines göttlichen Willens, mit dem Auftrag, einen neuen gnadenlosen und sogenannten rein-rassigen  deutschen Staat zu errichten. Dem deutschen Reich, 

dass sich mit der Niederlage von 1918 gedemütigt, beschnitten und entwaffnet fühlt, verspricht der Führer Rückkehr zu vergangenen Größe.

Hitler rüstet auf und entledigt sich in kurzer Zeit den Bedingungen des Versailler Vertrages, ohne auf den geringsten Widerstand gestoßen zu sein.

  1. Am 26.2.35 wird Hermann Göring mit dem Aufbau einer modernen Luftwaffe betraut.
  2. 2 Wochen später: Wiedereinführung der Allgemeinen Wehrpflicht.
  3. Wiederaufbau der deutschen Kriegsmarine ( Juni 1935, London – Sondermission Ribbentrops). Die Briten erlauben einseitig, dass Hitler wieder eine Kriegsmarine aufbaut.
  4. 07.03.36 Remilitarisierung des Rheinlandes. Erster Einmarsch von 3.000 Soldaten, während die Nazipropaganda mit Bildern einer jubelnden deutschen Bevölkerung die Welt beeindruckt.

Maiski, der sowjetische Botschafter in London, an Litwinow in Genf:  die Engländer sind gewillt, Hitler gewähren zu lassen. Im Völkerbund warnt Litwinow das Plenum. Es bedarf jetzt einer kollektiven Gegenreaktion, bevor es zu spät ist. 0-Zuspruch. So nimmt die Besetzung des Rheinlandes ohne Intervention der Alliierten seinen Lauf.

Auf dem jährlichen NSDAP-Parteitag am 16.9.1935 verkündet das Regime die sogenannten Nürnberger Rassengesetze. Deutschen Juden werden die staatsbürgerlichen Rechte aberkannt, was Übergriffen, Enteignungen und Gewalttaten jeder Art Tür und Tor geöffnet.

Wer kann, ergreift die Flucht oder bringt zumindest die Kinder in Frankreich oder Großbritannien in Sicherheit. Keiner kann jetzt noch das wahre Wesen des Nationalsozialismus verleugnen und doch konstatiert Iwan Maiski von seiner Botschaftswarte: die Britischen Konservativen halten sich mit Kritik an den Rassengesetzen betont zurück.

Am 14. September 1936 startet der NSDAP-Chef vor 160.000 Getreuen einen Kreuzzug gegen den Kommunismus. Hitler gelobt, die Juden und die Sowjetunion in einem gnadenlosen Kampf gegen den sogenannten jüdischen Bolschewismus auszurotten.

Zudem will Hitler alle Schritte in Richtung kollektiver Sicherheit unterbinden.Im Namen des Antikommunismus versucht er jetzt einen Bund mit Großbritannien zu schmieden. Er bestellt einen neuen Botschafter in London, Joachim von Ribbentrop., der ab sofort mit Maiski um die Gunst Englands buhlt.

Gleich nach seiner Ankunft in Victoria-Station, Oktober 1936, improvisierte er eine Rede:

Der Führer glaubt, dass der Kommunismus die einzige Gefahr ist, die England wirklich bedroht. Der Kommunismus ist die übelste aller Krankheiten, weil die Leute die Gefahr realisieren, wenn es zu spät ist: darum will der Führer Großbritannien zum Freund gewinnen.

Tags darauf reagieren selbst antikommunistische Presseorgane, empört: Großbritannien ist immer noch eine Demokratie, wo Kommunisten immer noch das Recht auf Leben und freie Meinungsäußerung haben.

Maiski gelingt es, zu sämtlichen Zeitungsbossen freundschaftliche Beziehungen zu knüpfen. Unglaublich, aber wahr. Die auflagenstärksten Blätter Englands stellen ihre sowjetfeindlichen Kampanien nach und nach ein.

Churchill: der Nationalsozialismus hat alles verändert. Die Sowjetunion ist keine Bedrohung mehr. Wir brauchen schleunigst eine Politik der kollektiven Sicherheit. Für Maiski stand fest, das Bündnis mit der Sowjetunion ist nur noch eine Frage der Zeit.

Churchill gilt aber in den eigenen Reihen als Sonderling, mehr noch, als Querulant.

Vor diesem Kontext wird Neville Chamberlain im Mai 1937 zum neuen Premier ernannt.

Es stellt sich heraus, dass er zu der Sorte der Ignoranten zählt, , die meinen, immer Recht zu haben. Seinen Gesprächspartnern gegenüber immer schroff und herablassend, ist er ein Experte für Finanzfragen und betrachtet die Kommunisten als perfide Kreaturen, zu denen keinerlei Beziehungen unterhalten werden dürfen und den Botschafter Maiski nennt er unter vorgehaltener Hand einen gefährlichen kleinen Juden.

Eden wird zum Außenminister ernannt. Für Eden ist jede Verständigung mit Hitler tabu.

Chamberlain setzt aber auf Appeasement, eine Politik der Zurückhaltung, für die er einen anderen Minister vorschickt: Lord Halifax. Litwinow zeichnet Maiski folgendes Portrait: ein Aristokrat, der Platitüden von sich gibt. Dem Schicksal anderer Länder auf der Welt völlig gleichgültig und der Sowjetunion extrem feindlich gesonnen. Wie ein Kundschafter bricht Halifax angeblich zu einer privaten Reise nach Deutschland auf. Zunächst steht ein Höflichkeitsbesuch bei Göring auf dem Programm. Göring eröffnete Halifax, dass Hitler gedenke, Österreich zu annektieren. Großbritannien werde sich dem nicht widersetzen, solange dies kein Chaos stiftet. Eine Antwort ganz nach Görings Gusto, der sich beeilt, Hitler zu übermitteln, dass ihm die Briten freie Bahn lassen.Nach einem Treffen mit Hitler auf dem Berghof, berichtet er: Die Nazis sind sicherlich Nationalisten und Rassisten, doch wir an ihrer Stelle würden wohl genauso empfinden.

Aus Protest gegen die Appeasement-Politik tritt Anthony Eden vom Amt des Außenministers zurück. An die Stelle Edens tritt der linkisch agierende Halifax.

Angesichts Hitlers Aufrüstung ist die französische Diplomatie überzeugt, Hitler ohne Hilfe der Alliierten nicht besiegen zu können. Doch die Briten haben keinerlei Vertrauen in die Franzosen und einer Militärallianz mit Frankreich verweigern sie sich hartnäckig. Seit dem Tode Barthous überlässt Frankreich seine Diplomatie weitgehend den Briten.

Paris 1938: In Frankreich wird Edouard Daladier zum Regierungschef berufen. Ein Amt, dass er trägt, wie eine Bürde. Als Veteran graut es Daladier vor dem Krieg und doch ist ihm klar, dass ein Krieg mit dem Nachbarn immer näher rückt. Wie alle seine Vorgänger in den letzten 4 Jahren hat er die Militärallianz mit Großbritannien zur obersten Priorität erklärt, ein Bund, den ihm Chamberlain hartnäckig verwehrt.

Auf dem Schlüsselposten des Äußeren seinerseits sitzt nun ein Befürworter der unbedingten Verständigung mit Hitler, Georges Bonnet. Er gilt als heuchlerisch. Ein Intrigant, dessen Lieblingsbeschäftigung es ist, Gerüchte über diesen und jenen in Umlauf zu setzen.

Für Stalin ist Hitler ein Klassenfeind wie jeder andere, doch bald muss er einsehen, dass die von ihm ausgehende Gefahr weit explosiver ist.

Stalin sucht Annäherung an seine 2 alten Freunde: die kapitalistischen Demokratien Frankreich und England. Er beauftragt damit seinen Volkskommissar für Äußeres, Maxim Litwinow, nach der Revolution 1. Repräsentant der Sowjetunion 1919 in London.

Die Sowjetunion wird 1934 Mitglied des Völkerbundes. Aufgrund seiner Überzeugungsarbeit haben die USA die Sowjetunion 1937 offiziell anerkannt. 

Litwinow ist überzeugt, dass alle Länder Europas eine militärische Allianz gegen Hitler eingehen müssen. Die Politik mit dem Namen kollektive Sicherheit wird für ihn zur Obzession.

Von Ribbentrop gehört nunmehr zu den Stammgästen auf dem Berghof. Zu Beginn des Jahrers 1938 ernennt Hitler Ribbentrop zum Außenminister des 3. Reiches.

Da niemand sich Hitler in den Weg stellt, verleibt er sich Österreich 6 Monate früher als geplant ein.

Der Grund für die Annexion: die deutsche Wirtschaft kann mit dem rasanten der Tempo der Wiederbewaffnung nicht mehr mithalten. Statt das Tempo zu drosseln, will Hitler jetzt die Kontrolle über den gesamten österreichischen Industriekomplex. Der Anschluss Österreichs bildet nur den ersten Schritt eines groß angelegten Beutezuges, wobei jeder Schritt die NS-Maschinerie befeuert.

Churchill setzt reihenweise Appelle ab. Maxim Litwinow fordert in Genf ebenfalls eindringlich, dass die Westmächte im Schulterschluss mit der Sowjetunion Hitler eindämmen, ehe es zu spät sei. Doch die Briten bleiben bei ihrer Politik und die Franzosen folgen ihnen blind.

Maiski wurde in Moskau verhaftet.

Litwinow steht unter der Aufsicht einer Sonderkommission, bestehend aus Stalin und dessen engsten Mitstreitern, darunter natürlich auch Molotow. Molotows Haltung zur kollektiven Sicherheit ist unverändert ablehnend. Sollen Kapitalisten und Faschisten sich gegenseitig abschlachten, uns geht das nichts an. Für Litwinow eine bodenlose Dummheit. Den Kopf in den Sand zu stecken, wird Hitler nicht daran hindern, uns zu überfallen. Die kollektive Sicherheit ist unsere einzige Option. Stalin zeigt sich außerstande, ein Machtwort zu sprechen.

Im September 1938 kehrt Maiski nach London zurück. Stalin scheint seine Dienste noch zu benötigen. Just in dem Moment, in dem Hitler erneut hoch pokert und seinen größten Coup seit seiner Machtergreifung wagt. Der Führer hat beschlossen, jenen Teil der Tschechoslowakei zu annektieren, der von einer deutschen Minderheit bevölkert wird, das Sudetenland.

Die Tschechoslowakei steht nicht allein. Durch Beistandspakte mit Frankreich und der Sowjetunion genießt sie doppelten Schutz.In Moskau gibt Litwinow bekannt, dass die Sowjetunion ihren Verpflichtungen nachkommen und die Tschechoslowakei verteidigen werde. Im gleichen Zug ruft er die Franzosen zu einer Konferenz der Generalstäbe auf. Ein Appell, den Georges Bonnet nicht einmal beantwortet. Abwarten, was die Engländer machen. 

Maiski versucht bei Halifax vorzusprechen, um gemeinsam mit Großbritannien Hitler jetzt zu stoppen. Halifax sagt ihm, er habe keine Zeit.

Chamberlain will die Sache im Alleingang regeln. 

Am15.09.38 wird er in München von Ribbentrop empfangen. Nach dem Treffen mit Hitler auf dem Berghof, verspricht Hitler, seine Ansprüche auf das Sudetenland zu beschränken, nicht auf die gesamte Tschechoslowakei. Chamberlain verlässt Deutschland mit der Vereinbarung, Hitler das Sudetenland abzutreten. Im Gegenzug hat der Diktator ihm versprochen, künftig keine weiteren Gebiete einzufordern.

Daladier und Bonnet fahren zu Chamberlain in die Downing Street, stimmen der kampflosen Abtretung des Sudetenlandes an Hitler zu und üben nun, als eigentliche Verbündete, Druck auf die Tschechoslowakei aus.

Umklammert von Nazideutschland und der Sowjetunion, ist Polen inzwischen ein autoritärer Staat mit Oberst Joseph Beck an der Spitze des Außenressorts. Eine erstaunliche Persönlichkeit, deren nationalistische, zu Größenwahn neigende Haltung durch Alkoholismus noch geschürt wird.

Anders gesagt, die Polen werden der Sowjetunion den Durchmarsch durch ihr Land auf keinen Fall erlauben.

Das Münchener Abkommen, auch Münchener Diktat und Münchner Verrat genannt, getroffen in München am 29.09.38, unterschrieben von Hitler, Mussolini, Daladier und Chamberlain, bestimmte, dass die Tschechoslowakei das Sudetenland an das Deutsche Reich abtreten und binnen 10 Tagen räumen musste. Der Einmarsch der Wehrmacht begann am 1. Oktober 1938. Im Gegensatz zur Abtretung garantierten Großbritannien und Frankreich der Tschechoslowakei im Fall eines unprovozierten Angriffs ihren Beistand und ihre Sicherheit.

Die Tschechoslowakei und die mit ihr verbündete Sowjetunion waren zu der Konferenz nicht eingeladen. In London erhält Maiski Besuch vom tschechoslowakischen Botschafter Jan Masaryk. Masaryk stammelte mühsam beherrscht: sie haben uns wie Sklaven verschachert. 

Vom einzigen demokratischen Staatswesen Mitteleuropas wurde einfach so ein Stück abgespalten. 

Das Münchner Abkommen bedeutete faktisch das Ende der multinationalen Tschechoslowakei, da auch die Nachbarstaaten Polen und Ungarn die Gunst der Stunde zu Gebietsbesetzungen nutzten, ohne Zustimmung der Signatarmächte Großbritannien und Frankreich.

In Genf ist Litwinow fassungslos vor dem erneuten Einknicken vor Hitler und fordert erneut eine kollektive Sicherheit, aber keiner reagiert.

Der Westen hat Litwinows ausgestreckte Hand verächtlich ignoriert und lieber mit Hitler paktiert. Maxim Litwinow, am Boden zerstört, nährt keine Illusionen mehr. Nach 5-jährigen Bemühungen kehrt er mit leeren Händen nach Hause und muss dem gedemütigten Stalin, dessen Beunruhigung zusehens wächst, Rede und Antwort stehen.

Georges Bonnet setzt dem ganzen mit der Einladung Ribbentrops nach Paris noch die Krone auf.

Und Bonnet unterzeichnet mit von Ribbentrop einen Nichtangriffspakt. Im Anschluss darf der deutsche Außenminister einen Hakenkreuzkranz am Grab des unbekannten Soldaten niederlegen. Um der Eitelkeit der Nazigröße zu schmeicheln, gibt Bonnet am Abend ein großes Staatsbankett unter Ausschluss der 3 jüdischen Minister.

5. Januar 1939

Hitler, seit München im Gefühl der Allmacht, empfängt auf dem Berghof den polnischen Außenminister Oberst Beck, und verlangt von ihm die Herausgabe des deutschen Korridors, jenes Gebietsstreifen, der Ostpreußen vom restlichen Reich trennt. Im Gegenzug werde ich ihm die ganze Ukraine schenken, wenn ich die gesamte UdSSR vernichtet habe. 

Zu diesem Zweck war der Nachbarstaat Polen von der deutschen Führung seit 1934 umworben worden, in der Hoffnung; ihn zu einem gemeinsamen militärischen Vorgehen gegen die UdSSR bewegen zu können, zumindest aber zu einer neutralen Haltung.

Doch Oberst Beck legt sich quer. Und Hitler beschließt, Polen zu überrollen.

10. März 1939. Moskau. 18. Kongress der Kommunistischen Partei

In der Rede zur Außenpolitik macht Stalin keine Hehl aus seiner tiefen Enttäuschung nach München  

und seinem Grauen, Hitler allein gegenüber zu stehen. Er wolle nicht für die Westmächte die Kastanien aus dem Feuer holen müssen, umschreibt er seine Haltung gewunden.

Von Ribbentrop dreht und wendet diese Formulierung Stalins, bis er eine Erleuchtung hat.

Er begibt sich auf den Berghof, um Hitler einzuweihen. Die letzte Rede Stalins ist ein Wink mit dem Zaunpfahl, erklärt er. Stalin würde sich lieber mit uns verbünden, als isoliert zu bleiben, da bin ich mir ganz sicher. Durch einen Pakt mit ihm, hätten sie in Europa völlig freie Hand. Ein Pakt mit den jüdischen Bolschewiken, versetzt Hitler entgeistert – das ist doch völlig absurd.

Und dann tut Hitler es tatsächlich.

Am 15. März 1939 besetzt er auch das verbliebene tschechische Staatsgebiet, welches Hitler Direkt-Tschechei nennt und bringt dort die gesamte Rüstungsindustrie unter seine Kontrolle.

Nur 6 Monate nach der Unterzeichnung ist das Münchener Abkommen das Papier nicht mehr wert, auf dem es stand.

8 Tage später rückt Hitler mit seinem Marinekorps in den litauischen Ostseehafen Memel ein, um die hier lebenden Deutschen heim ins Reich zu holen.

Am 31.3.39, noch während seines Memelbesuches, setzt Hitler eine Botschaft an Polen ab:

Das Land liege nur 130 Seemeilen vor dem polnischen Korridor, welcher umgehend an das Deutsche Reich abgetreten werden müsse. Sonst werde er ihn sich selbst holen.

Maiski an Litwinow: Die Briten seinen fassungslos und sind außer sich vor Wut, weil er sie in München zum Narren gehalten hat. Diesmal ist das Maß voll. Die Reaktion der Franzosen fällt identisch aus. Chamberlain schlägt schließlich Alarm.

Am 31.3.1939 versichert er Polen, dass GB im Angriffsfall zu Hilfe kommen werde.

Daladier, erleichtert, endlich ein Militärbündnis mit den Engländern schmieden zu können, offeriert Polen umgehend dieselbe Beistandsgarantie.

Maiski setzt sich mit Halifax in Verbindung, doch Halifax nörgelt herum. Das geht alles ein bisschen zu weit, ursprünglich wollten wir nur Polen schützen. Worauf ihm Maiski sagt: aber wir wissen doch, dass Hitler in Polen nicht halt machen wird, oder – und Halifax erbittet sich eine Bedenkzeit. Bedenkzeit, als ob wir die hätten, so Maiski.

Der Bund mit der Sowjetunion ist, so ein hochrangiger britischer Militär, , das einzige, was zu tun bleibt, vorausgesetzt, die Politiker ziehen mit.

April 1939 London. Oberst Beck wird in GB empfangen und zeigt sich hocherfreut, dass die Engländer und Franzosen sein Land vor Hitler schützen wollen. Doch als Halifax ihn später fragt, ob Polen zum Wohle aller die Rote Armee durch Polen ziehen lasse, stellt sich Beck stur. Selbst wenn die Nacht unterginge – keine russischen Streitkräfte auf polnischem Boden.

Am 15. und 16. April 1939 führten Litwinow und der britische Botschafter William Seeds in Moskau Gespräche über „die Schaffung einer gemeinsamen Front zur gegenseitigen Hilfeleistung zwischen GB, Frankreich und der SU.

Am 17/18. April 1939 schlägt Litwinow Großbritannien und Frankreich eine sofort wirksame Militärallianz vor, mit der Verpflichtung, außer Polen, auch Finnland, die beiden baltischen Staaten (gemeint sind Estland und Lettland) und Rumänien zu verteidigen, die gesamte Sowjetgrenze, vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer.

Am 27. April kündigte Deutschland daraufhin das deutsch-britische Flottenabkommen von 1935.

Das Frühjahr und der Frühsommer1939 vergeht mit diplomatischen Winkelzügen und konfus geführten Verhandlungen. Briten, Franzosen und die Sowjets tauschen komplizierte Vorschläge und Gegenvorschläge aus, die samt und sonders am Veto Polens scheitern. Das Land beharrt auf seiner Position: kein Durchmarschrecht für die Rote Armee. Einzig die Briten und Franzosen könnten Polen mit vereinten Kräften zum Einlenken zu bewegen, doch echte Bemühungen in einer solchen Richtung bleiben aus. Keiner vertraut dem anderen, während Europa sehenden Auges ins Verderben steuert. 

Dazu kommt Molotows ziemlich ungehobeltes Auftreten, was den Dialog nicht gerade erleichtert. 

(Am 3. Mai 1939 wurde der bisherige Außenminister Maxim Litwinow, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft von der deutschen Presse heftig attackiert worden war, abgelöst und der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, Molotow, übernahm zusätzlich die Leitung der Außenpolitik).

Stalin misstraut Hitler genauso, wie den anderen Westmächten und seit München empfindet er ganz besonderen Groll gegen Chamberlain.

Nach zähem Ringen akzeptierten die Westmächte Mitte Juli den sowjetischen Vorschlag eines Militärpaktes  zwischen Frankreich, GB und der SU, der Nazideutschland in die Zange nehmen könnte. Die britische Presse verbreitet die Nachricht vom Dreierbund mit der den Sowjets mit spürbarer Erleichterung.

Nach dieser Entwicklung autorisiert Hitler von Ribbentrop, unter strengster Geheimhaltung eine Annäherung mit den Sowjets zu suchen.

Berlin, 2 Tage später, 26. Juli 1939. 

Der deutsche Diplomat Karl Schnurre lädt Georgi Astachow, offiziell als Botschaftsrat in Berlin tätig, zum Mittagessen ein. (in Wirklichkeit ist er Agent des Geheimdienstes NKWD)

Schnurre gibt zu erkennen, dass er auf Order von Ribbentrop agiert und einen von von Ribbentrop

verfassten Text hat, den der Diplomat detailgetreu übermitteln soll. Astachow fällt ihm ins Wort:

unmöglich. Tun sie nicht so, als ob Hitler Mein Kampf  nie geschrieben hatte. Schnurre: Georgi, ein Buch, dass vor 15 Jahren geschrieben wurde, ist doch nicht ernst zu nehmen.. Ich kann Ihnen versichern, dass sich unsere Aktivitäten gründlich verschoben haben. Astachow: gestatten Sie mir zu sagen, dass dies schwer zu glauben ist. Schnorre: behandeln sie die Engländer nicht so wie uns,  mit Herablassung? Mit diesem Argument trifft Schnurre bei Astachow voll ins Schwarze.

Schnurre: ich gehe davon aus, dass es eine Ebene der Verständigung geben könnte, die unser beider Interesse betreffen könnte.

Beim Auseinandergehen hakt Astachow nach: angenommen, ein hochrangiger deutscher Entscheidungsträger spricht mit einer sowjetischen Führungspersönlichkeit, würde er sich exakt so äußern wie Sie? Schnurre: aber selbstverständlich.

2 Tage später: 

In einem hochgeheimen Telegramm an Astachow zeigt sich Molotow interessiert. Astachow benachrichtet Schnurre, der von Ribbentrop in Kenntnis setzt, der Hitler Meldung erstattet.

Am 2. August 1939 übermittelt Ribbentrop Molotow in größter Heimlichkeit ein Territorialangebot

vom Baltikum zum Schwarzen Meer. Höchst dringlich und nicht sehr lange gültig.

Damit liegt der deutsch-sowjetische Pakt auf dem Tisch.

Für Stalin ist der Hitlervorschlag schlicht unwiderstehlich, bietet er ihm doch die einmalige Möglichkeit, mit einem Schlag die Gebiete zurückzuerhalten, die nach der russischen Revolution verlorengingen.

Weitere Zeit ging verloren, weil die Briten allein 10 Tage brauchten, um eine Delegation für die Verhandlungen zum Abschluss einer Militärkonvention als Basis für den Dreierbund zusammenzustellen und weil die britischen und französischen Delegationen unter Admiral Drax und General Doumenc anstatt mit dem Flugzeug, mit dem langsamsten Frachter der Britischen Flotte via Leningrad anreisten. Am12. August 1939 konnten daher die Verhandlungen mit Marschall Woroschilow im Verteidigungsministerium beginnen.

Woroschilow zeigt Dokumente, die seinen diplomatischen Auftrag bescheinigen. General Doumenc zeigt die von Daladier erteilte offizielle Bevollmächtigung. Drax gibt zu, über nichts dergleichen zu verfügen. Admiral Nobody und General Sowieso so, Stalin.

Wie bedauerlich, sagte Woroschilow, ehe er die Kernfrage stellt: bekommt die Rote Armee ein Durchmarschrecht durch Polen. Ensatation für Doumenc, Crax und die westliche Diplomatie in 5 Jahren. Wir sehen uns wieder, wenn Polen seine Zustimmung erteilt hat.

Panik in London. Halifax fleht Polen an, doch einzulenken. In Warschau übt die französische Diplomatie unkoordiniert Druck auf Oberst Beck aus, der die Dringlichkeit der Lage durchaus versteht, aber Bedenkzeit erbittet.

Nur noch 2 Wochen bis zum festgesetzten Datums des Überfalls auf Polen.

Dann ging alle sehr schnell. Am 19. August 1939 gab Stalin die Zustimmung für den Besuch von Ribbentrop in Moskau.

Der das Datum 23. August tragende deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt wurde anschließend nach Mitternacht am 24. August 1939 durch Ribbentrop und Molotow im Beisein Stalins und des deutschen Botschafters Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg unterzeichnet.

Der Pakt garantierte dem Deutschen Reich die sowjetische Neutralität bei einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Polen und den Westmächten.

Ein geheimes Zusatzprotokoll „für den Fall einer territorialen Umgestaltung“ gestattete der Sowjetunion, die durch die russische Revolution verlorenen Territorien des Russischen Kaiserreiches wiederzugewinnen.Es erklärte Ostpolen, Finnland, Estland und Lettland zur sowjetischen Interessensphäre deklariert. Westpolen und Litauen zur deutschen. Im Südosten Europas wurde Bessarabien zum sowjetischen Interessensgebiet deklariert. Deutschland wiederum erklärte sein politisches Desinteresse  an Bessarabien.

Der Deutsch-Sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag  vom 28. September 1939 ergänzte den Nichtangriffspakt.

Neben einer Bekräftigung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit präzisierten begleitende, geheime Abkommen die Aufteilung Polens, schlugen Litauen der Sowjetunion zu und legten die Überführung der deutschen , ukrainischen und weißrussischen Minderheiten aus den betroffenen Gebieten in dem eigenen Machtbereich fest.

In Paris reagiert Daladier kühl und pragmatisch.

Er lässt alle kommunistischen Zeitungen verbieten und bald auch die kommunistische Partei selbst.

Die Botschaft ist klar. Nur Stalin ist schuld an diesem diplomatischen Desaster.

In London gerät Chamberlain ins taumeln. Der Premier echofiert sich über Stalins Verrat. Dabei wollte er selbst die Verhandlungen mit den Sowjets maximal hinauszögern, in der Hoffnung, doch noch zu einem last-minute aggreement mit Hitler zu gelangen.

Maiski hat die Nachricht, wie jedermann, aus der Presse erfahren. Der Botschafter sei niedergeschmettert, wenn auch nicht überrascht.

In den 5 Jahren hat nicht einmal die Bedrohung des Nationalsozialismus das tief sitzende Misstrauen gegenüber der Sowjetunion beseitigen können.

Am 1. September wird Polen überfallen.

3 Tage später erklären Chamberlain und Daladier Hitler den Krieg.

Hitler macht Ribbentrop verantwortlich. Er mutierte vom Helden zum Trottel.

GB und Frankreich begehen den Fehler, keine sofortige Offensive zu starten, während die deutschen Truppen in Polen gebunden sind. So ist Polen rasch erobert.

Im November 1939 befiehlt Stalin den Angriff auf Finnland und zwingt es zur Herausgabe der Karelischen Landenge, unabdingbar für die Sicherheitsinteressen der Stadt Leningrad.

Im Juni 1940 tritt Rumänien der Sowjetunion das Territorium Bessarabien ab.

Die Sowjetunion hat die vorrevolutionären Grenzen Russlands zurückerlangt.

Zum gleichen Zeitpunkt zwingt die Wehrmacht Halbeuropa in die Knie.

Der deutsch-sowjetische Vertrag ermöglicht es Hitler, seine Gegner nach und nach auszuschalten.

Stalin und Molotow haben mehr oder weniger so gehandelt, wie Hitler es wollte.

Beide waren überzeugt, dass der Reichskanzler Wort halten würde und die Sowjetunion in Ruhe ließe. 

Maiski wird von den Briten geschnitten, hält sich nur durch seine Beziehungen zu Churchill über Wasser.

Churchill informiert Maiski über den bevorstehenden Einmarsch in die Sowjetunion, die Maiski umgehend nach Moskau weiterleitet.

Aus wenigstens 50 zuverlässigen Quellen wird Stalin gewarnt, dass Hitler Anstalten mache, den Nichtangriffspakt aufzukündigen. 

Doch Stalin weigert sich, den Meldungen Glauben zu schenken und lässt sogar einige der Informanten wegen Fehlinformationen hinrichten.

22.06.1941 Überfall auf die Sowjetunion.

Mit der Durchführung des Unternehmen Barbarossa am 22.06.1941 brach das Deutsche Reich beide Verträge. Am Tage des Überfalls ging Stalin davon aus, dass Hitler Opfer eines Staatsstreiches von putschenden Generälen sei. Bloß nicht zugeben, dass Hitler ihn wie alle anderen zum Narren gehalten hat.

So befindet sich die Sowjetunion durch die Macht der Ereignisse im gleichen Lager wie Großbritannien.

Ulrich Hoppe

Quellen:

1. Französischer Dokumentarfilm 2018. „Der Hitler-Stalin-Pakt vom 23.08.1939“

2. Deutsch-Sowjetischer Nichtangriffspakt, Wikipedia

3. Unternehmen Barbarossa, Wikipedia

4. Münchner Abkommen, Wikipedia